Online Shopping als Klimasünder?

Wie schädlich Paketversand wirklich ist

In Deutschland werden pro Jahr über 3 Milliarden Pakete versandt. Tendenz stark steigend, da man sich schnell und gerne an die große Auswahl, die übersichtlichen und oft günstigen Preise und den Komfort der schnellen Lieferung direkt an die Haustür gewöhnt.
Aber ist diese Bequemlichkeit mit einem gesteigerten Umweltbewusstsein vereinbar oder muss ich auf online Shopping etwa auch verzichten?
Werfen wir einen Blick auf die Zahlen.

 

Online Shopping

Der Versand und die Lagerung eines mittelgroßen Pakets, ausgehend von einer direkten Zustellung beim Empfänger, liegen bei ca. 280g CO2 in der Klimabilanz. Je nach Anzahl der Zustellversuche, Gewicht und vor allem auch Größe des Pakets variiert dieser Wert stark. Daher wird von einem durchschnittlichen Wert von ca. 500g CO2 pro versendetem Paket ausgegangen. Hinzu kommen ca. 350g CO2 für die Herstellung und Bereitstellung eines handelsüblichen, durchschnittlichen Verpackungsmaterials.
Gesamt also 850g CO2 auf Seiten der online Bestellung.

 

Stationärer Einzelhandel

Vergleichen wir diesen Wert nun mit dem Einkauf im stationären Einzelhandel, müssen auch hier zwei Werte berücksichtigt werden. Zum einen der Hin- und Rückweg, den ich bis zum Einkaufsort zurücklege, sowie der Energieverbrauch eines Ladensgeschäfts.
Die Ermittlung von CO2 Emissionen für die Anlieferung und Ausstellung eines Produkts in einer Filiale hängt ab von zahlreichen Faktoren, beispielsweise der Größe der Verkaufsfläche im Verhältnis zur Anzahl der angebotenen Produkte. Durchschnittlich wird hierfür ein Wert von 1.250g CO2 angenommen.
Der CO2 Ausstoß von Autos variiert natürlich ebenfalls stark, abhängig von Verbrauch, Antriebsart und Fahrverhalten. Als Durchschnittswert werden für diesen Vergleich 150g CO2/ km herangezogen. Bei einer Tour zum Einkaufszentrum, welches 10 km entfernt liegt, bedeutet dies ca. 3.000g freigesetzter CO2 Emissionen.
Gesamt also ca. 4.250g CO2 auf Seiten des stationären Einzelhandels in diesem Szenario. 

 

Ein Fazit 

Den Vergleich der besseren Klimabilanz pro gekauftem Produkt gewinnt somit klar die online Bestellung. Auch wenn bei dieser Vergleichsrechnung nur die großen CO2-Verursacher berücksichtigt wurden, unterstreicht auch die Aussage „Wenn man Schuhe im Internet bestellt, verbraucht das weniger CO2, als wenn man sie in der Stadt mit dem Fahrrad einkauft“  von Thomas Bergmann vom Öko-Institut den Sachverhalt nochmal.
Zudem bieten viele Versand- und Logistikdienstleister mittlerweile einen klimaneutralen Versand, bei dem der Ausstoß von Treibhausgasen durch die Unterstützung von Klimaprojekten nachträglich kompensiert wird. 

 

Kritische Betrachtung

Da sich dieser Artikel rein auf die freigesetzten CO2 Emissionen verschiedener Distributionswege fokussiert, werden sozioökonomische Folgen des online Shoppings nicht berücksichtigt. Die Beantwortung der Frage, ob eine monopolistische Stellung einzelner Plattformen und ein damit einhergehender Rückgang des stationären Einzelhandels in den Innenstädten wünschenswert ist, überlassen wir jedem Leser selbst.

Unser Tipp: Bewusst konsumieren, unnötige Versandwege vermeiden und Dinge, die man nicht häufig braucht, auch mal leihen statt kaufen.
Dadurch setzt man mit umweltbewusstem Handeln nämlich bereits weit vorher in der Supply Chain an und hat noch größere, positive Effekte.

 

 

Quellen:

https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/emissionsdaten#handbuch-fur-emissionsfaktoren-hbefa

http://www.dcti.de/fileadmin/pdfs_dcti/DCTI_Studien/Studie_Klimafreundlich_Einkaufen_WEB.pdf

https://www.emerald.com/insight/content/doi/10.1108/09600031011018055/full/html

https://www.oeko.de/aktuelles/2015/online-shoppen-oder-beim-lokalen-haendler/

https://www.quarks.de/umwelt/online-shopping-klimafreundlicher-als-einkauf-im-geschaeft/

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